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Optimale Schrittweise

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Optimale Schrittweise

Die Logistic Mail Factory in Augsburg sortiert Briefe jetzt automatisch nach der Gangfolge der Zusteller.

Der Auslöser war die Einführung des Mindestlohns und damit die Umstellung von Stück- auf Stundenlohn: Der Briefdienstleister Logistic Mail Factory (LMF) hat eine große Investition in die Optimierung seiner Prozesse getätigt. Hier wurde nicht gejammert, sondern der Anlass genutzt, um schlanke Strukturen zu schaffen, die Wachstum ermöglichen. Das geht, wenn die vorhandene Mannschaft in derselben Zeit größere Mengen bewältigen kann.

Dass Mutterhaus, die Augsburger Allgemeine Zeitung, gibt es seit 70 Jahren. Die Zustelltochter wurde 2002 gegründet. Längst hat sich das  Unternehmen zum führenden privaten Dienstleister in und um Augsburg entwickelt. Dabei wird jeder Brief angenommen. Für einzelne Sendungen gibt es Briefmarken und -kästen, für die deutschlandweite Zustellung ist man Teil der Mail Alliance, die Sendungen nach außerhalb der Region übernimmt. Briefe, die an weiße Flecken auf der Landkarte der Mail Alliance adressiert sind, werden an die Deutsche Post übergeben, und für den Paketversand besteht eine Partnerschaft mit GLS. In der eigenen Region sind derzeit rund 2200 Brief- und Zeitungszusteller in nahezu ebenso vielen Bezirken unterwegs.

Prozessautomatisierung schon in jungen Jahren

Bereits drei Jahre nach der Gründung wuchs das Sendungsaufkommen auf eine Größe, die eine Sortiermaschine erforderte. Mittlerweile haben die beiden damals angeschafften Olympus von Pitney Bowes Gesellschaft von einer VariSort und einer Vantage mit 288 Sortierfächern desselben Herstellers bekommen - vier gewaltige Sortierstraßen mit gewaltigen Kapazitäten für immer gewaltigere Sendungsmengen. Sie sind alle nach derselben Sortierlogik eingerichtet, so dass jeder Bediener überall zurechtkommt. Und sie verarbeiten alle Sendungen, die irgendwie sortiermaschinenfähig sind, selbst folierte Produkte laufen darüber; übrig bleiben nur überformatige Versandgüter sowie Einschreiben mit Begleitschein. Die OCR erreicht eine Erkennungsrate von 97 Prozent - einschließlich Handschriften und mannigfaltigen Schreibweisen von Straßennamen.

Die Einführung von Sortiermaschinen hat damals nicht dazu geführt, dass Leute entlassen werden mussten. „Wir haben ja investiert, weil wir gewachsen sind", betont Geschäftsführer Mirco Wieck. So konnte die LMF die 30-prozentige Mengensteigerung während des Sommer-Poststreiks locker wegstecken. Wieck: „Eigentlich haben wir das gar nicht bemerkt." Das lag auch an der Personalpolitik in Augsburg: „Es ist nicht leicht, Personal zu finden, und neuer Bedarf war schon abzusehen. An geschultem Personal zu sparen, ist ein ganz falscher Weg." Diese geschulten Mitarbeiter stammen übrigens aus 14 Ländern aus der ganzen Welt und gehören unterschiedlichsten Religionen an. Darauf ist das Unternehmen durchaus stolz: Bei der LMF wird gelungene Integration vorgelebt.

 

Neue Aufgabe für Sortiermaschinen: Gangfolgesortierung

Die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns hat viele Postunternehmen an ihre Grenzen gebracht. Bei der LMF hat man sich darauf vorbereitet und im letzten Schritt in die Gangfolgesortierung investiert, nach der jeder Zusteller seine Sendungen im Fach so vorfindet, wie er sie austragen wird.

Hinter der Gangfolgesortierung steckt die Software Location Intelligence von Pitney Bowes. Diese kann komplexe Beziehungen zwischen Standort und Daten herstellen, sie analysieren und visualisieren. Ihr Einsatzbereich liegt eigentlich in Strategie und Marketing; mit der Gangfolgesortierung wurde sie um eine ganz neue Funktion erweitert. Die Technologie war also vorhanden, sie musste jetzt in Prozesse umgesetzt werden. Für dieses komplexe Pilotprojekt ist die Expertise von Pitney Bowes und LMF zusammengeflossen - ein neuer Meilenstein in der langjährigen Entwicklungspartnerschaft der beiden Unternehmen. 

Für die Gangfolgesortierung ist ein eigener Sortierlauf notwendig. Im ersten werden die Sendungen mit CodX PostOffice nach Kunden erfasst, damit sie auch abgerechnet werden können. Hier wird bereits ausgesteuert, was an Zustellpartner geht. Die eigene Menge wird im zweiten Lauf auf die Bezirke sortiert, woraufhin drittens für jeden einzelnen Bezirk die Gangfolge ermittelt wird und „die Ware tourisiert ist", wie es im Fachjargon heißt. Das führt zu Veränderungen sowohl im Wareneingang als auch in der Produktion.

 

Bestechende Ergebnisse

Eine besondere Herausforderung im Projekt war es, trotz dieser zusätzlichen Sortierung die logistischen Zeitfenster einzuhalten. Das letzte Fahrzeug kommt um 20 Uhr, die letzte Sendung darf nicht später verarbeitet sein als zuvor, alle Eckpunkte müssen eingehalten werden. „An den Zeitfenstern vom Wareneingang bis zum Zusteller hat sich nichts geändert", lautet das Fazit von Thomas Rohs, der von Seiten Pitney Bowes das Projekt leitet. Gewaltig geändert hat sich allerdings die Gangfolgesortierung: Per Hand braucht jeder Zusteller vielleicht eine Stunde, um 300 Sendungen in „seine" Reihenfolge zu bringen. Die Vantage schafft in derselben Zeit bis zu 47 000 und ist damit schneller als hundert Zusteller. Diesen bleibt noch die Aufgabe, Großbriefe und Sonderformate manuell zu sortieren, doch dieser Anteil ist verschwindend gering.

Bei einer Zustelldichte, die noch längst keine Flächendeckung erreicht hat, muss die Software viel intelligenter sein. Nicht jedes Haus wird angelaufen, und nicht an jedem Tag sind es dieselben Häuser. Daher muss die Route tagesaktuell neu berechnet werden.

Im ersten Testbezirk konnte die Strecke von 17 auf 13 Kilometer und die Zustellzeit von 207 auf 158 Minuten reduziert werden - das ist ein bestechendes Ergebnis, auch für die Zusteller. Diese sollen die Vorgaben ja nicht als Bevormundung, sondern als Entlastung empfinden. Deshalb werden sie in die Optimierung mit einbezogen, denn es gibt für manch einen Abstecher oder Umweg durchaus Gründe, die die Maschine nicht kennen kann. So fließt das Know-how in die Berechnungslogik mit ein. Es besteht die Möglichkeit, die Gangfolge flexibel anzupassen, indem man einzelne „Adressen" per Drag and Drop verschiebt und die veränderte Route speichert. Auch Baustellen oder gesperrte Brücken werden so berücksichtigt. Produktionsleiter Christian Lohner-Nittmann: „Der Zusteller braucht Einflussmöglichkeiten, um die Vorgaben zu akzeptieren. Und seine Einwände bespricht er direkt mit dem Bezirksleiter."

Wieck ergänzt: „Mit dieser Automatisierung ist Fluktuation kein Problem mehr, denn das Know-how steckt in der Software. Wenn ein Zusteller uns verlässt, kann ein anderer nach einer kurzen Einarbeitung an seine Stelle treten. Auch in den Ferien und bei Grippewellen bin ich einfach anders gewappnet."

 

Briefdienst von Anfang an

Das zweite Standbein der LMF ist die Druckdienstleistung. Die Aufträge reichen von Kleinauflagen bis Massendruck und beinhalten Werbemailings, Serienbriefe und Transaktionspost. Sogar im Ferienmonat August wurden hier 1,75 Millionen Seiten gedruckt. Die Kunden liefern bis abends ihre Druckdaten in beliebigen Formaten über ein Portal und erhalten am nächsten Morgen einen transparenten Report mit Informationen zu jedem einzelnen Brief. „Am Ende wollen die Kunden eine Dienstleistung, die ihre Prozesse optimiert", weiß Wieck aus Erfahrung. „Dafür braucht man ein starkes Outputsystem."

Sowohl die Outputsoftware als auch die Kuvertierhardware kommen - wen wundert's - von Pitney Bowes. Die vier leistungsfähigen Produktionsdrucker - drei für Schwarzweiß, einer für Farbe - tragen den Markennamen Konica Minolta. Wie die Sorter laufen auch die Maschinen im Outputzentrum synchron, so dass Großaufträge verteilt werden können, man aber trotzdem ein einheitliches Protokoll erhält.

Auch in das Outputzentrum dringt die neue Lösung vor, berichtet Wieck: „Druck und Kuvertierung sind nach derselben Logik aufgebaut wie die Sortierung, und die Gangfolge wird dabei realisiert. Das vereinfacht die Versandvorbereitung im Sortierzentrum erheblich."

 

„Wachstum darf nicht schmerzen"

Die LMF ist ein Pionier in ihrem Fach, und sie teilt ihre Erfahrungen gern mit anderen. Von Besucherführungen zeugen die Schilder über einer jeden Maschine, auf denen ihre Bezeichnungen stehen. In den Produktionshallen kann man sich davon überzeugen, wie moderne, auf Wachstum ausgerichtete Briefdienstleister-Arbeit funktioniert. Das Rezept der LMF liegt in klugen Investitionen in Personal, Software, Hardware und Konzepte. Auch bei der Gangfolgensortierung wird schon über das Generieren von Mehrwert nachgedacht. Wieck: „So viele Daten gab es noch nie, damit kann man Zusatzservices aufbauen und die Investition reinholen. Wir wissen zum Beispiel, wann der Zusteller wo ist, und können deshalb bestimmte Zeiten zusagen, die der Versender seinen Empfängern bei wichtigen Sendungen mitteilen kann. Das fördert die Kundenbindung."

Von allen Hürden, die der Briefmarkt auf dem langen Weg in die Marktliberalisierung zu nehmen hatte, hat sich die Logistic Mail Factory nicht sonderlich beeindrucken lassen, sondern sich hartnäckig auf ihr Wachstum konzentriert. Dabei denkt man immer weit voraus. Mirco Wieck: „Die neue Investition wird sich erst langfristig rechnen. Aber wir können unser Briefvolumen steigern, ohne unter Druck zu geraten. Wachstum darf nicht schmerzen. Wir sind darauf gut vorbereitet: Die Technologie steht, und die Prozesse sind durchdacht."

 

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Quelle   Array

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